Es gibt ihn nicht mehr,
den Spieler, den Pionier, den Vogelfänger,
dem ich Erde war,
über die er ging, sich verging.
Beträt’ er mich ein letztes Mal,
ich würde zur Mure,
rutschte felsenfest hinweg.
Mitsamt den Fußspuren,
die er unzählig auf mir hinterließ.

(2000)

Steinrose

Ich lege mein Vertrauen
in die Beständigkeit von Stein.
Denn wenn auch farblos nach Ergrauem,
hört die Rose selbst
nie auf zu sein.

(1998)

Die Suche führt durch die Wüste des Verlangens,
die Tag und Nacht vertauscht.
In der im Dunkeln Hitze glüht -
die das Licht erfrieren lässt.

Alle Sehnsucht führt in die Hölle.
Ihr Himmel ist hohl.

(1998)

Nachtfalter

Der Mond hat meine Flügel zarter gemacht.
Poröser. Seidengleich.
Die Sterne haben Staub auf mein Rückgrat gestreut,
das sich unter der Last der Nacht biegt.
Da ich weit entfernt der Sonne schwebe
will ich immer sein wie sie.
Voll Kraft, voll Wärme, voll Ganzheit.

Aber ich bin ein Nachtfalter
und träume am Tag.
Unter einer Sonne,
die mich nicht weckt.

(1996)

Glas

Ich zerbreche,
wenn du mich zu stark drückst.

Ich springe,
wenn du mich zu fest polierst.

Ich bin zu schwach
für siedendheißes Wasser.

Scherben bedecken den Boden,
wenn du mich fallen lässt.

Und doch bin ich leer,
wenn du mich nicht füllst.

(1997)

Von den Sternen gefallen,
auf dem Boden aufgeschlagen.
All den Goldstaub abgeschüttelt,
sich im grauen Sand der Erde gewälzt.
Aufgerappelt und gereinigt,
den Kopf nicht hängen gelassen -
stehe ich und küsse den Himmel.
Im Wissen,
eines Tages wieder zurückzukehren,
meine Hände in sein endloses Nichts zu graben.

Gezichnet von den Spuren der Zeit,
mit den Augen weit geöffnet
sehnt sich der Stern in mir
wieder Stern zu werden.
Er steigt und lächelt.
Leuchte!
Damit alles,
was verweilen muss,
darin in Hoffnung schimmern mag.

(1997)